Und wieder was Geklautes aus dem wilden Westen

Berlin bietet eine Vielfalt an neuen Unternehmen, die aus dem Boden sprießen und in der Hauptstadtluft gedeihen. Ich habe eines der Berliner Internet-StartUps etwas genauer unter die Lupe genommen.

Zalando ist derzeit eines der bekanntesten aufstrebenden Unternehmen der Berliner Unternehmerszene. Die Samwer-Brüder haben sich mit Zalando abermals an einem amerikanischen Vorbild orientiert, nämlich an Zappo. Zalando wurde im Oktober 2008 ins Leben gerufen. Allerdings geht das Unternehmen nicht nur auf die Kappe der Samwer-Brüder, sondern vielmehr Robert Gentz und David Schneider. Die Samwer-Brüder erkannten aber schnell die Zukunft hinter der Idee und kamen als Investoren dem Unternehmen zu Gute.

Den Samwer-Brüdern sind anscheinend die Namen für ihre zahlreichen Unternehmungen ausgegangen und rollen das Spiel einfach von vorne auf. Die erste Unternehmung, die aus dem samwer´schen Blut der Brüder entsprungen ist, war Alando. Dieses Unternehmen war ein Internet-Auktionshaus nach dem amerikanischen Vorbild eBay, welches schon nach 3 Monaten von eBay für 43 Millionen US-Dollar aufgekauft wurde.

Zalando hat ähnliche Erfolge zu verzeichnen. Zum Beginn der Unternehmung im Oktober 2008 erfolgte der Versand noch aus dem büroeigenen Keller. Das kurz darauf folgende Weihnachtsgeschäft sorgte dafür, dass sich die Kartons immer höher stapelten, sodass im Januar alle räumlichen Kapazitäten gesprengt wurden.

Zalando zog schon vier Monate nach Online-Veröffentlichung in ein größeres Lager, welches es durch einen optimaleren logistischen Aufbau, ermöglicht, den Versand schon am Tag der Bestellung zu tätigen. Ich erinnere daran, dass zu diesem Zeitpunkt die Finanz- und Wirtschaftskrise herrscht. Auch wenn viele Branchen und Unternehmen davon nicht betroffen waren, wurde jedoch in den Medien viel Panik verbreitet, was sich bedingt auch auf das Käuferverhalten ausgewirkt hat.

Mitte 2009 zieht Zalando in ein sehr viel größeres Büro mitten in der Berliner City. Im Monat 11 wird der erste Fernsehspot veröffentlicht. Ab dann schnellen die Verkäufe in die Höhe (siehe Grafik). Zalando erfährt nicht nur Erfolge im Umsatz, sondern auch in Bewertungen. So wurden sie vom TÜV SÜD mit der Bestnote 1,5 für Kundenzufriedenheit und Service ausgezeichnet. Denn in der bekannten „Servicewüste Deutschland“ entwickeln sich zum Glück wieder Trends zu mehr Service und Freundlichkeit.

Mittlerweile hat Zalando neben dem weiten Schuhsortiment nun auch Damen- und Herrenmode im Sortiment

Grafik: Marktvergleich (aus http://www.gruenderszene.de/allgemein/zalando-mirapodo-schuhshop)

Ich habe über Zalando durch die Projektarbeit mehr erfahren. Mir war zwar zuvor bekannt, dass Zalando ein erfolgreiches Unternehmen ist, allerdings war mir die genaue Erfolgsgeschichte vorher nicht bekannt. Ich bin eher verwundert, dass Zalando solch starke Erfolge zu verzeichnen hat. Denn welche Frau geht nicht gerne shoppen?!?! Shoppen im Internet macht mir persönlich sehr viel weniger Spaß, als wenn ich selber unterwegs bin und mir meine Errungenschaften sofort nach Hause mitnehmen kann. Als Sophie Kinsella in dem Buch „Shopaholic“ das Erlebnis nach dem Shoppen beschrieb, wenn man nach Hause kommt und seine so eben erstandenen Waren auspacken und nochmals anprobieren und sie dann in den Schrank als sein eigenen legen kann, wusste ich, dass ich mit dem Gefühl nicht alleine bin.

Aber das Gefühl ist bei mir nicht einmal halb so intensiv, wie wenn ich mir Ware aus dem Internet bestellt habe. Und Gespräche mit anderen, hauptsächlich weiblichen Personen, bestätigten mich darin. Zwar kann man die Sachen nach Lieferung aus auspacken, anprobieren und in den Schrank legen, allerdings musste man dafür nicht Stunden durch Läden rennen. Das macht den Unterschied. Die Anstrengungen, um sich letztendlich für den Kauf des Produktes zu entschließen vs. den Anstrengungen für ein paar Klicks.

Mein erster Kontakt mit Zalando war der Werbespot im Internet. Der Mann, dessen Freundin „Schuhe, Schuhe, überall Schuhe“ auftürmt, blieb sofort in Erinnerung. Also habe ich mich auch mal in dem Online-Shop umgesehen. Und für mich sind die Schuhe einfach viel zu überteuert. Ich kann mir die Schuhe nicht richtig angucken, sondern habe nur eine Ansicht. Ich kann sie nicht anprobieren. Ich habe sie nicht sofort, sondern sie werden erst in 1-2 Tagen geliefert. Wenn ich zu der Lieferzeit nicht anwesend bin, dann muss ich die Schuhe auch noch von der Post abholen, was ich nicht gerne mache, weil die Postfiliale, in der meine Pakete immer hinterlegt werden, immer ein lange Schlange ist. Egal, zu welchem Wochentag und egal zu welcher Tageszeit. Wenn ich selber shoppen gehe, dann habe ich all diese Erlebnisse, die ich bei einem Kauf bei Zalando nicht habe. Folglich also eher ein anhedonisches Erlebnis.

Zalando ist womöglich vielmehr für andere Zielgruppen, als Studenten, Auszubildende und jüngere Generationen. Wohl eher fühlen sich Personen, die wenig Zeit zum Einkaufen haben und etwas mehr Geld im Portmonee haben.

 

Quellen (wurden nachträglich hinzugefügt):

http://www.gruenderszene.de/allgemein/zalando-mirapodo-schuhshop

http://www.deutsche-startups.de/?p=22358

http://www.deutsche-startups.de/2010/03/30/auf-den-spuren-von-zappos-mirapodo-shoepassion-zalando-und-co-bringen-schuhe-ins-netz/

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6 Antworten zu “Und wieder was Geklautes aus dem wilden Westen

  1. Häuptling Scharfe Zunge 23/10/2010 um 15:00

    Gut, das „Einkaufserlebnis“-Argument kann ich schlecht nachvollziehen.
    Ich sehe das Problem von Zalando mehr in der USP, wie auch in meinem Artikel umrissen. Wie auch andere Autoren denke ich, dass die wesentliche Eigenschaft für die Qualität eines Alleinstellungsmerkmals die schwere Imitierbarkeit ist.
    Der Unique Selling Point Service ist einfach zu leicht zu kopieren.

    Auch ein interessanter Blogartikel zu dem Thema: http://www.kassenzone.de/2010/08/25/service-usp/

    • feuerherz 27/10/2010 um 19:20

      Service als USP ist eigentlich keine schlechte Idee in der Servicewüste Deutschland. Viele Deutsche wollen wieder guten Service haben, da dieser nicht weit verbreitet ist. Warum kann man den denn dann nicht anbieten, um sich von anderen Wettbewerbern abzuheben?
      Aber dass diese USP leicht zu kopieren ist, ist teilweise nachzuvollziehen. Service kann jedes Unternehmen bringen. Eigentlich sehr leicht sogar. Dazu benötigt es nicht ein vollkommen neues Konzept. Man muss nur einige Faktoren in den Prozess einfügen bzw. optimieren. Wie beispielsweise Gutscheine bei Beschwerden versenden; Kundenservice, wie beispielsweise kostenlose Hotlines (am besten ohne lange Warteschleife) mit freundlichem und hilfsbereitem Personal; schnelle Kaufabwicklung etc.. Klingt eigentlich recht leicht. Aber trotzdem schaffen es viele Unternehmen nicht. Allein an der Freundlichkeit des Personals hapert es meist. Bloß keine Finger zu viel bewegen, um möglicherweise einen Kunden glücklich zu machen.
      Somit finde ich die Idee von Zalando im Grunde nicht schlecht. Nein, ich finde sie sogar sehr gut.

  2. Häuptling Scharfe Zunge 29/10/2010 um 20:43

    Ich wehre mich Service als Idee anzuerkennen. Service ist eine Entscheidung. Ein Alleinstellungsmerkmal ist es nicht, da es ohne weiteres kopiert werden kann.
    Und Menschen, die nun mit dem Argument des scheinbar offensichtlichen Erfolgs des Unternehmens ins Feld ziehen, um die USP „Service“ als solche zu rechtfertigen schlage ich vor sich einmal gedanken über das finanzielle Potential Zalandos und der Konkurrenz zu machen. Die einen werden mit der Marketingwalze platt gemacht und die anderen werden weggekauft…ergo: Überlegenheit der dicken Kapitaldecke, nicht des Geschäftsmodells, amen.

  3. Bruce Spear 30/10/2010 um 14:10

    It’s just great that you’ve won such good comments — and great that some of you have responded so thoughtfully!

    I also very much like your narrative of discovery, this very personal way of telling the story.

    You might also extend the conversation from you and your peers to include those talking about such things and what they’ve learned, for example, beginning with the author and book you site and where I find

    http://verlorene-werke.blogspot.com/2010/09/neuerscheinung-mini-shopaholic-sophie.html

    Or,

    http://www.sophiekinsella.co.uk/

    And where you might learn a bunch of things from what the author says and how she/he says it, beginning with the clever use of images and youtube videos (describe such resources for your readers, because otherwise they will do like me and go off onto Google and the web, find out a lot more, and leave your post far, far behind).

    Stick „Sophie Kinsella“ into http://blogsearch.google.com/blogsearch?hl=en (or the German version) and get to know your fellow bloggers, and again, how they write, now they present their material and thoughts, and report on a couple whose business interests are close to your own.

    I hope this helps!

  4. The Shaman 01/11/2010 um 15:52

    „Pushen“ kann man viel auf den Mark,t mit dem nötigen finanziellen Background. Ob es auf lange Sicht dafür reicht, beantworten die Kunden. Wie rosig das geschäft wirklich läuft ist fraglich.
    In meiner Serie: https://entrepreneurialwarriors.wordpress.com/2010/10/28/gotterdammerung-auf-dem-olymp-des-samwer-clans/ werde ich noch darauf hinweisen. Vorab erst mal der Teaser: Groupon stellt Angebote von Zalando vor. Auf den ersten Blick nicht besonders ungewöhnlich, oder?

    Wer weiss mehr?

  5. Pingback: Jahresrückblick 2010 « Berlin Internet-Startups

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