Was plant Amazon wirklich? Die Strategie hinter der Strategie

Das strategische Brettspiel Schach wird auch als das königliche Spiel bezeichnet. Durch die Übernahme des Shoppingclubs BuyVip.com wird Amazon in den nächsten Monaten versuchen Marktanteile an sich zu reißen und die Konkurrenz schachmatt zu setzten. Doch ist dies der einzige Zug den der Internetgigant plant? Wenn sich Amazon an die Spielregeln der Samwer Brüder hält sicherlich nicht.

Die ersten 10 bis 15 Züge einer Schachpartie stellen die Eröffnungsphase dar. Wie berichtet, hat Amazon diese sehr gut gemeistert und die Übernahme erwies sich als strategisch schlau, denn  der Kauf von BuyVip.com bietet Amazon vielfältige Möglichkeiten zur nachhaltigen Nutzung von Synergien und Potenzialen. Die genutzte Buy & Build Strategie ist zwar arbeitsintensiv in der Umsetzung und verlangt ein hohes Maß an operativer Erfahrung, jedoch wird sich dieser Spielzug mit etwas Geduld auszahlen.

Im Mittelspiel versuchen die Schachspieler durch ihre geplante Strategie das Spiel zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Für Amazon stellt es in diesem Fall eine Grundprämisse dar, die geplanten Züge exakt so auszuführen, wie sie in der Eröffnungsphase anvisiert wurden. Die Rivalen Vente-Privee.com, Brands4Friends.de oder Privalia.com werden alles Mögliche dafür tun, um an den König von BuyVip.com heranzukommen.

Somit muss Amazon auch die Pitfalls der Buy & Build Strategie beachten:

  • Oftmals werden die Synergie-Effekte überschätzt und Unternehmenspotenziale nicht richtig genutzt.
  • Durch die europaweite Positionierung können kulturelle Barrieren unterschätzt oder gar missachtet werden. Gerade hier müssen die unterschiedlichen Länder hinsichtlich des Produktsegmentes professionell analysiert werden, denn Produkte, die in einem Land Best-Seller sind, können in einem anderen vom Kunden nicht angenommen werden.
  • Misslingt die Integration der Buy & Build Strategie und die angestrebten Wachstumsziele werden nicht erreicht, darf Amazon nicht zum Auffangbecken für finanzielle Probleme werden. Der damit verbundene Imageverlust wäre verheerend.

Wenn sich nur noch wenige Schachfiguren auf dem Brett befinden hat die Endphase begonnen. Im unternehmerischen Kontext spricht man hier von der Verdrängung der Konkurrenten. Max Bleyleben hat mit seinem Blog Post gezeigt, weshalb es am Himmel der Shoppingclubs in nächster Zeit sehr eng wird und warum höchstens drei bis vier der zahlreichen Shoppingclubs überleben werden:

„ The torrid growth continues, but the market dynamics are about to change. The first phase was about speed of execution, the next phase will be about scale and cash. Brands are waking up. They are learning how to play the various shopping clubs off against one another. In the coming months and years they will drive harder bargains. Inevitably, the clubs will have to start buying more inventory if they want to continue to pass on discounts of 60-80% to their members. That approach has been the norm in the US market for some time.”

Unglaublich, die Shoppingclubs werden also durch einen Liquiditätsengpass von selbst wieder ihre Pforten schließen. Nur wer genug Kapital besitzt, um die Waren im Vorfeld bei den jeweiligen Marken einzukaufen, wird existieren bleiben. Wer sich an Charles Darwin aus meinem letzten Beitrag erinnert, der weiß, dass nur der Shoppingclub überleben kann, der sich am schnellsten den Anforderungen des Marktes anpasst.  Der BuyVip-Exit war folglich für das nur durchschnittlich gut aufgestellte Unternehmen die richtige Lösung. Mit Amazon im Rücken sollte die Frage des Geldes kein Problem darstellen.

>>Die Strategie hinter der Strategie

In der Welt der Online-Shoppingclubs wird BuyVip.com in Zukunft bei den ganz Großen mitspielen. Die Schachpartie scheint somit gewonnen. Nach dem Spiel ist aber bekanntlich vor dem Spiel und Amazon ist ein Vorbild für das Ausführen von strategischen Schachzügen im richtigen Moment. Die Übernahme von BuyVip.com war laut gruenderszene.de ein Schnäppchen und durch Amazon erreicht BuyVip.com in der nächsten Zeit sicher die kritische Größe für einen wirklich erfolgreichen Trade Sale. Der Internetkoloss hat sich also den optimalen Zeitpunkt ausgesucht, um den Shoppingclub zu übernehmen. Spielt Amazon etwa das selbe Spiel wie die Samwer Brüder es mit Citydeal.de ( unser Autor Rene berichtete) vor kurzem gemacht haben? Amazons Geduld wird sich mit hoher Sicherheit auszahlen und wenn BuyVip.com erst zu den von Max Bleyleben’s beschriebenen drei bis vier Marktführern gehört, wird sich der Marktpreis bereits um ein vielfaches erhöht haben und Amazon wird durch den Verkauf von BuyVip.com einen gewaltigen Arbitragegewinn realisieren können.

Sources:

Literatur: Mergers&Acquisitions: Von der Strategie zur Integraation (Markus Menz), Haupt Verlag, Ausgabe 1 (2007)Internet:http://maxbley.typepad.com/maxs_blog/2010/10/its-official-shopping-clubs-kick-off-a-new-phase.html

http://studix.wiwi.tu-dresden.de/Wiki-fi/index.php/Arbitragegewinn

Further Reading: http://maxbley.typepad.com/maxs_blog/2009/04/dont-be-glum-shop.htmlhttp://www.excitingcommerce.de/2010/10/buyvip-1.htmlPictures:

Picture 1: Shutterstock.com

Balken: Privat, Eigenerstellung

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5 Antworten zu “Was plant Amazon wirklich? Die Strategie hinter der Strategie

  1. Alice 07/12/2010 um 01:35

    Gehören Shopping- Clubs wie ventee-privee, brands4friends und BuyVip nicht eh schon der Vergangenheit an? Experten vermuten, dass Dienste wie Boutiques.com von Google die Welt des Online-Shoppings nachhaltig beeinflussen werden, obwohl sie selbst keinen Shop darstellen. Demzufolge ist es vielleicht ungünstig, dass Amazon sich auf einen „Old- School“ Shop wie BuyVip verlässt.
    Schaut man sich die Googles‘ neuste Innovation an, erkennt man sofort das neue, interessante Design- anders als alle bisherigen, herkömmlichen Shopping-Clubs.

    „…Boutiques.com will provide shoppers with a much richer and interactive shopping experience and help drive traffic to retailers‘ websites..“ (http://www.boutiques.com/about.py)

    Interaktiv, personalisiert, vernetzend, attraktiv, kreativ und leider bis jetzt nur innerhalb den USA nutzbar. Ausprobieren und eine persönliche Boutique designen kann man dafür schon jetzt!

    Links:
    http://ideaengineers.sapient.com/strategy/will-google-boutiques-impact-online-shopping/
    https://www.trefis.com/company?article=27554#

  2. The Shaman 07/12/2010 um 16:34

    Die Idee Boutiques.com stellt natürlich den Zahn der Zeit dar. Die Möglichkeit eine eigene Boutique einzurichten, finde ich sehr reizvoll. Eine Plattform für den Einzelhandel, schön. Wie siht es aber mit dem Schäppchen- Bedürfnissen der Deutschen aus. Bieten doch gerade aktuelle Shopping- Clubs saftige Rabatte an. Ein großer Kritikpunkt muss ich aber noch loswerden. Erst vor ein paar Tagen begab ich mich auf die Suche nach einer neuen Winterjacke. Nach einer frustrierende Stunde, dämmerte es mir, dass Zallando, Brands 4 Friends und Co oft nur Größen bis M oder max. L anbieten. Vielleicht kreisen sie ihre Zielgruppe auf Männer unter 25 ein……..Wie oft der Kunde es versuchen wird sein passendes Stück zu finden, wäre spannend aml zu überprüfen. Bei einem Onlineshop mit einem hohem Bekanntheitsgrad müssen die gelagerten Stückzahlen stimmen. Hier liegt häufig die große Hürde für Start- Ups. Nicht die Frage, „Erreichen wir genügend Kunden?“ sondern „Können wir eine hohe Anzahl an Kunden bedienen?“ muss beantwortet werden.

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