Web 2.0 Monitoring, ein wachsender Markt

Sämtliche Studien zeigen, wie wichtig das Web 2.0 für Unternehmen geworden ist.

Wo findet man mehr Informationen über Kundeninteressen?

Nie zuvor gab es ein Medium, das die Mund zu Mund Propaganda so offen preisgab.

Heute möchte ich ein Unternehmen vorstellen, das hier mitdenkt. Das Überwachen der relavanten Kanäle ist schwerer als manche denken. Webbosaurus, eine Social Media Agentur in Berlin, beschreibt im folgenden Interview den Kundennutzen ihrer Dienstleistung. Sie bieten ein professionelles Monitoring an und zeigen somit ein weiteres Mal, wie kostbar Informationen sein können. Der Artikel „Wikileaks zieht nach Berlin“ beleuchtete das Thema ebenfalls.

Das Interview

Zur Einstimmung ein kleines Video vom Interview

Den restlichen Teil gibt es hier zum lesen:

The Shaman: Wie läuft das, wenn Ihr beim Kunden seid. Habt Ihr das Gefühl, dass Ihr noch eine gewisse Vorarbeit leisten müsst, damit der Kunde den Nutzen Eurer Arbeit versteht, oder ist er in der Regel aufgeklärt?

Philipp: Das hängt vom Unternehmen ab. Wir hatten schon Kunden, die wussten, worum es ging und tiefsitzende Informationen benötigten. Viele kamen mit konkreten Vorgaben auf uns zu, wofür sie eine Planung und eine Umsetzung forderten.

Auf der anderen Seite begegnen wir Unternehmen, die eine vage Vorstellung von Social Media haben. Hier müssen wir schon mal weiter ausholen. Also vermitteln wir zunächst einen Überblick in Sachen Social Media und zeigen, wie und wo wir weiterhelfen können. Dabei kann es auch schon mal vorkommen, dass wir dem Kunden die Grenzen von Social Media aufzeigen und ihm vielleicht davon abraten müssen.

The Shaman: Ging es auch mal so weit, dass Ihr euch selbst sagen musstet, hier müssen wir zu viel Aufklärungsarbeit betreiben, weil der Kunde noch Entwicklungszeit braucht, der Aufwand ist zu groß?

Philipp: So weit ging es noch nicht und wird es auch nicht, es macht ja Spaß den Kunden Social Media zu erklären und zu helfen. Was aber schon mal der Fall sein kann, ist, dass wir bei der gewünschten Überwachung von Twitter abraten. Hier haben User die Möglichkeit mit 140 Zeichen zu kommunizieren. Allein durch die Zeichenlimitierung sind die Beiträge nicht sehr aussagekräftig. Darüber hinaus gibt es auf keiner anderen Plattform mehr Spam als auf Twitter. Wenn du dann 500 Beiträge im Monat erhältst, besitzt die Information, die wir dem Kunden liefern können, einen qualitativ geringen Wert. Es herrscht einfach zu viel Grundrauschen in solchen Fällen. Ein anderes Beispiel wäre, wenn ein Kunde den Wunsch hegt, auf allen Social Media Plattformen aufzutreten, diese aus strategischer Sicht jedoch keinen Sinn machen.

The Shaman: Also leistet Ihr in solchen Fällen eine Beratung, in der der Kunde verstehen lernt, welche Plattform für das Unternehmen relevant sein könnte?

Philipp: Ja genau, das ist hier Teil der strategischen Beratung, die wir anbieten. Der Kunde möchte sich auf dem Gebiet entwickeln, weiß aber noch nicht wie und wo.

The Shaman: Wie würdet Ihr den Markt beschreiben, auf dem Ihr euch bewegt?

Philipp: Also im Bereich Strategieentwicklung und Planung oder Beratung an sich können wir einen enormen Zuwachs beobachten. Hier stieg die Zahl der Konkurrenzanbieter in den letzten 1,5 Jahren stark an. Aber in Anbetracht der Bewegung im Online-Bereich war diese Entwicklung zu erwarten.

Eine Gefahr, die ich hierbei jedoch erkenne, ist die, dass PR-Agenturen und Marketing-Agenturen sich dafür entschieden haben, das Themenfeld mitanzubieten, aber kein Fachwissen aufweisen. Sie haben das Gebiet vielleicht sogar unterschätzt und dachten „Machen wir mal eine Fanpage und das wird schon“ wird reichen. Sie versuchen dann dem Kunden irgendwie mit einer Inhouse-Lösung zu helfen. Das kann nur schlecht für den Kunden ausgehen.

Wenn ich mir jedoch den Markt im Bereich Monitoring ansehe, könnte man ihn als überschaubar bezeichnen. Das liegt daran, dass es hier viele technische Hürden gibt. Hier teilt sich der Markt in zwei Gebiete. Die einen vollziehen das Monitoring mit einer automatischen Software und die andern mit einer halbautomatischen Analyse, bei der Beiträge qualitativ von einem Analysten geprüft werden, was dann natürlich eine höhere Qualität verspricht. Wir haben uns für die letztere Variante entschlossen.

The Shaman: Also spürt Ihr den ansteigenden Druck der Konkurrenz?

Philipp: Nicht nur Druck bezogen auf die Konkurrenz, sondern auch Druck auf die „Branche“. Es gibt einfach sehr viele Trittbrettfahrer, die dem Ruf schaden.

The Shaman: Glaubst Du, dass sich irgendwann einmal in der Zukunft ein eigener Ausbildungsberuf daraus entwickelt?

Philipp: Es gibt den klassischen Marketingkaufmann oder den Kommunikationsfachwirt, bei denen es aber auch keine strenge Ausbildungsrichtlinie gibt. Ich will damit sagen, dass es in diesem Bereich unheimlich viele Quereinsteiger gibt. Die Leute kommen aus einem juristischen Hintergrund oder haben Geisteswissenschaften studiert etc. Ich denke, es ist typenabhängig. Die Grundlagen sollten vermittelt werden, aber du kannst keinem Kreativität beibringen. Das Grundwissen kannst du dir natürlich in Weiterbildungsseminaren oder Workshops aneignen.

The Shaman: Verstehe, aber denkst Du nicht auch, dass sich im Web 2.0  schon viel getan hat und dass mitlerweile ganze Studien verfasst wurden, um die Entwicklungen besser verstehen zu lernen?

Philipp: Sicherlich, jedoch haben viele Unternehmen nicht die Zeit hier tief einzusteigen. Aus diesem Grund erreichen uns Anfragen, bei denen wir den Verantwortlichen briefen sollen. Ihm liegt also viel daran, ein Feedback von einem Spezialisten zu erhalten, wie er selbst seine Aufgabe im Bereich Social Media für das Unternehmen bewältigt. Ein externer Blick auf die Arbeit kann hier sehr hilfreich sein, da das Betreuen der Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden sehr individuell ist. Es gibt also keinen Masterplan, der für alle Fälle gilt.

The Shaman: Welche strategischen Pläne habt ihr in Anbetracht der Marktentwicklung und der Lebenszyklen für Eurer Unternehmen entwickelt?

Philipp: Ja, ich denke, das Monitoring wird für die Unternehmen zunehmend wichtiger. Allein der Zuwachs an den sogenannten „Silversurfern“ zeigt die Entwicklung und die Ausbaufähigkeit. Ich glaube, da kann mir keiner widersprechen, dass die Kommunikation im Web einfach stark zugenommen hat. Für uns gilt demzufolge, genau hinzuschauen. Wo haben sich neue Plattformen entwickelt, wo finden die Gespräche statt? Was ist „the next big thing“?

Somit können wir unsere Suchalgorithmen, Auswertungen und Konzepte optimieren.

Ein nächster Schritt wird die Entwicklung für Kennzahlen im Monitoring sein. Bis jetzt existieren noch keine auf dem Markt, die aussagekräftig sind. Ein Blog kann 100 Besucher monatlich haben, jedoch ein schlechtes Ranking bei Google verbuchen – als externer fehlt hier der Zugriff auf relevante Kennzahlen. Hier versucht die Arbeitsgemeinschaft Social-Media einiges voranzutreiben. Das müssen wir beobachten.

The Shaman: Dann möchte ich mich an dieser stelle herzlich bedanken für das aufschlussreiche Interview.

Interviewpartner: Philipp Rodewald, http://www.webbosaurus.de

Interview-Ort: Gründungszentrum der HWR-Berlin

Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht, dem Gespräch zu folgen und die Informationen mal aus erster Hand zu bekommen.

Warriorneo interviewte Philipps Geschäftspartner mit einem andern Fokus. Ihr könnt also gespannt sein.

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3 Antworten zu “Web 2.0 Monitoring, ein wachsender Markt

  1. Pingback: Kostenrevolution durch Social Media Marketing « Berlin Internet-Startups

  2. Warrior_Rashid 10/01/2011 um 00:56

    Hallo Shaman,

    ist wirklich ein klasse Interview geworden.
    Ich wollte mal eben an die Informationsflut, die auch bei dem Twitter Beispiel angedeutet wurde, anknüpfen. Es ist nun leider so, dass einige Unternehmen ihren Kunden eine sogenannte Rückvergütung für eine positiv abgegebene Bewertung in einem Verbraucherportal wie ciao.de geben.

    Man kauft etwas ein, bewertet es in einem Verbraucherportal oder auf der Unternehmenswebsite positiv und erhält anschließend eine Gutschrift auf sein Kundenkonto. Dort sammelt man dann sein virtuelles Guthaben und kann sich irgendwann seinen Wunschartikel schenken lassen.

    Folglich kommt es zu einer Informationsflut an künstlich erzeugten, positiven Bewertungen, der Pagerank steigt und das Unternehmen erfährt bessere Ergebnisse bei der Google-Suche.
    Zwangsläufig stößt Webbosaurus auf diese Einträge bei ihren Recherchen.
    Ich denke, dass genau solche Bewertungen das Ergebnis jedoch verfälschen und Webosauraus aufpassen sollte, dann keine falsche Diagnose zu stellen.

    Lg

    Warrior Rashid

  3. Pingback: Social Media boom durch neue McKinsey-Studie? « Berlin Internet-Startups

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