Teil 2: Was sagt das Orakel zur Zukunft der Shoppingclubs?

In meinem letzten Post bin ich auf die Evolutionsphasen der Shoppingclubs eingegangen und es stellte sich verblüffenderweise heraus, dass diese in Zukunft bi-channelig unterwegs sein werden und somit eine weitere Ertragsquelle versuchen zu etablieren. Ferner wird das Produktsortiment durch die Produktion von eigenen Artikeln ergänzt.

Um das Orakel auf seine Richtigkeit zu überprüfen, habe ich 48 Schnäppchenjäger zu der Zukunft der Shoppingclubs befragt.

Das Resultat ist hoch interessant. Lest selbst!

>>Die Zukunft der Shoppingclubs – Alles Humbug?

Um zu prüfen, ob auf das Orakel auch wirklich Verlass ist, habe ich zwischen dem 16ten und 19ten Dezember beim Zalando X-Mals Sale in Berlin eine qualitative Umfrage durchgeführt und 48 Konsumenten, die eigentlich Online-Schnäppchenjäger sind, direkt zum Thema befragt. Ziel der Umfrage war es herauszufinden, wie der typische Kunde eines Online-Shoppingclubs, die aus meinem letzten Artikel beschriebenen Phasen 4 bis 7 beurteilt.

Im Folgenden die Auswertung. Die gesamten Umfrageergebnisse können hier im Überblick eingesehen werden.

Damit hätte sicherlich das Orakel auch nicht gerechnet, denn die Befragten würden für die in Phase 5 erwähnten Exklusiv-Kollektionen sogar mit geringeren Preisnachlässen zufrieden sein. Paradoxerweise würden die Kunden jedoch auf ihre Produkte lieber bis zu 4 Wochen warten (vgl. untenstehende Grafik), anstatt 20-30% mehr für die Artikel zu zahlen. Dies zeigt eindeutig, wie sehr die Kunden an das Konzept mit den langen Wartezeiten gewöhnt sind.

Doch gerade hieraus gewinnen die Shoppingclubs einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Denn die in Phase 6 beschriebene Produktion der eigenen Modeartikel kann ebenfalls nach Ablauf einer Verkaufskampagne in Auftrag gegeben werden. Anschließend werden die Klamotten nach Deutschland verschifft und an die Kunden ausgeliefert. Das Modelabel Distorted People aus München hatte in der Vergangenheit mit Brands4Friends auf dieser Basis erfolgreich kooperiert. Der Nutzen des Geschäftsmodells für den Kunden ( Value Proposition ) ändert sich hierbei vorerst nicht.

Ferner wird die Eigenmarkenprodution von den Kunden mit Gewissheit angenommen, denn wie in der unteren Erhebung links zu sehen,würden 38 der 48 Schnäppchenjäger dennoch die Produkte kaufen. Hatte das Orakel etwa Recht? Ja, denn die Kunden fühlen sich auch nicht durch den Mix von Eigen-und Fremdmarken hintergangen. Es kommt wohl eher auf das Design und die Qualität an.

Doch das die Eigenmarken der Shoppingclubs dann sogar in eigenen Läden in Ballungsgebieten wie zum Beispiel dem Berliner Ku’damm aushängen, lässt die Befragten noch etwas zweifeln.

>> Ausblick: Prognose positiv – Die Clubs können laut Orakel weiter wachsen

Das Hellsehen oder Wahrsagerei ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst und in allen Kulturkreisen und Epochen der Geschichte zu finden. Fest steht jedoch, dass die Zukunft der Shoppingclubs nicht mehr ganz so stark in den Sternen steht wie vor 2 Jahren, als die Produkte noch nicht vorfinanziert werden mussten.

Doch mit großer Gewissheit steht fest, dass die Shoppingclubs durch das Anbieten der Exklusiv-Kollektionen einen neuen Hype auslösen können und die Eigenmarkenproduktion nach dem Beispiel von Distorted People eine höhere Rendite verspricht. Man spricht hier von der Erweiterung des Erlösmodells, da eine zusätzliche Ertragsquelle geschaffen wird. Der Globalplayer Gilt macht es ja bereits vor; es ist somit nur noch eine Frage der Zeit, wann die Idee auch nach Europa überschwappt.

Doch darauf hat die gläserne Kugel leider noch keine Antwort gehabt…lediglich die vier Buchstaben SAMW.. waren zu sehen 😉 Wie eine solche Ertragsmodellerweiterung aussehen kann, beschreibe ich in meinem nächsten Post genauer.

Quellen:
http://www.kassenzone.de/2010/02/22/clubsale-marken-zukauf-gilt-eigenproduktion/http://www.excitingcommerce.de/2010/02/gilt-groupe-m%C3%B6chte-von-170-mio-auf-400-mio-dollar-wachsen.htmlhttp://nymag.com/fashion/10/spring/63807/index4.html 

http://magazin.brands4friends.de/nightlife-tees-von-distorted-people-easyhero

http://www.firmenpresse.de/verzeichnis/242656/rewe-group.html

Bilder und Grafiken: Privat, Eigenerstellung
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5 Antworten zu “Teil 2: Was sagt das Orakel zur Zukunft der Shoppingclubs?

  1. The Shaman 10/01/2011 um 18:46

    Interessante Entwicklung, die du hier beschreibst Rashid. Hört sich an wie auf einem großen türkischen Gemüsemarkt, auf dem die Verkäufer einfach sehr nah am Kunden stehen. Wer tätigte schon mal seine Einkäuf auf so einem Markt, 30min vor Schließung. Die Stimmung steigt in jedem. Der Kauf- und Verkauf- Rausch jagt über den Markt. Meiner Meinung nach erzeugen Shopping-Clubs genau diese Atmo.

    Für Lean-Management Experten ein Genuss. Hier könnte das Pull-Prinzip hervoragend laufen.

  2. Warrior_Rashid 10/01/2011 um 19:30

    Lieber Shaman,

    …der Duft eines Schnäppchens liegt in der Luft 🙂
    Wer nicht selber beim Zalando Sale dabei war, der wird kaum glauben, was da los war.

    Eine kleine Berichterstattung:
    Am Donnerstag und Freitag ist man ganz gut ohne lange Wartezeiten „reingekommen“, aber am Samstag musste man sogar anstehen und man wurde wie in einer Disko step by step reingelassen.
    Die Menschen standen Schlange! Einige haben sogar 1h angestanden!

    Als man endlich drin war haben auf einen 70.000 Artikel gewartet und die Frauen nehmen meiner Meinung nach den Slogan „Schrei vor Glück“ zu ernst, denn als endlich die Regale bei den Damenschuhen in Größe 38 wieder aufgefüllt wurden, sind diese da raufgestürmt, als ginge es um ihr Leben!

    Doch ich muss zugeben, dass Markenschuhe, die vorher mal 100Euro gekostet haben, dort für 15Euro angeboten wurden. Unglaublich! Die Leute kamen sogar mit ihrem Reisekoffer an um dort die gekauften Produkte zu verstauen! 🙂

    DER REKORD?
    Ich habe durch Zufall eine sehr nette Motion-Designerin dort kennengelernt, die auch für ihre Page ein paar Filme gedreht hat ( http://www.ebeleokoye.com) und sie hat tatsächlich 19 PAAR SCHUHE GEKAUFT!!!

    Shaman, liebe Leser oder eher liebe Leserinnen, was geht da vor?
    Wozu braucht man (ähhh Frau) soooo viele Schuhe?
    Ich sage nur eins: Der kapitalistische Konsumapparat hat wieder zugeschlagen 🙂

    Ich werde mal versuchen ein paar Pics in meinen nächsten Post miteinzubauen 😀

    Für heute.

    Euer Warrior Rashid

  3. Sascha S. Pfordte 11/01/2011 um 11:13

    Hi,

    sehr schöner Artikel. Gut ausgearbeitet, aber für meinen Geschmack wie ein Hackbraten zum Frühstück (etwas viel).

    Zum Inhalt.

    Das ganze Shoppingclub-Prinzip hat in den letzten Stufen aus meiner Sicht schon planwirtschaftlichen Charakter. Es wird hier jedoch ein Problem der Händler deutlich, die seit Jahren mit der Vororderproblematik zu kämpfen haben.
    Die Produzenten und vorallem Hersteller mit starken Marken können in der Textilbranche aufgrund ihrer Marktmacht die Händler dazu zwingen Vorordern zu platzieren, womit sie ihre Absatzunsicherheit beschränken und den schwarzen Peter auf die Händler abschieben während sie mehr Geld verdienen (bessere Produktionplanung, etc.).
    Und da im Handel oft „Bauern“ arbeiten, hat sich da Jahre lang kaum was geändert an der Praxis.

    Jetzt ist das Vorplanen des Bedarfs MIT dem Kunden doch viel präziser und günstiger, als das Glaskugelgucken bisher. Der Handel hat mit den Shoppingclub-Geschäftsmodell also eine gute Ausgangsposition seine Marktmacht gegenüber den Lieferanten zu verbessern.

    Interessant wird für mich zu beobachten sein, wie die Antwort der Hersteller aussieht und wie der Konkurrenzkampf der Shoppingclubs untereinander an Fahrt gewinnen wird, da das Marktwachstum bald erschöpft sein wird.

    Gruß

  4. Pingback: Exklusiv Interview mit Kiss A Frog Mitgründer A. Abbassi « Berlin Internet-Startups

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