Management À la Semco – Funktioniert das auch in Berlin?

Schauen wir doch mal auf die andere Seite des Atlantiks. Nein, diesmal nicht nach Amerika, sondern weiter runter… nach Brasilien.

Dort gibt es ein Unternehmen namens Semco, wo für uns nahezu unfassbare Sachverhalte herrschen.

Die rund 3000 Mitarbeiter wählen ihre Vorgesetzten, bestimmen ihre eigenen Arbeitszeiten und Gehälter. Geschäftspläne sind nichtig, eine Personalabteilung nicht vorhanden, genauso wenig, wie eine Hierarchie. Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt, die Gehälter und sämtliche Geschäftsbücher sind für alle einsehbar, die Emails dafür strikt privat. Die Mitarbeiter entscheiden, wie viel Geld sie für Geschäftsreisen oder ihre Computer ausgeben.

Da fragt man sich doch – unabhängig ob „statisch“ denkender BWLer oder „innovativer“ Entrepreneur – : Wie soll das funktionieren?

Ertragsmodell: Freie Entscheidung der Mitarbeiter. Häh?

Der Druck in der Gruppe und der damit verbundene Gruppenzwang als Gericht soll das Unternehmen regeln. Die Gruppe als Personifizierung von Exekutive, Legislative und Judikative in einem, damit nicht vollkommene Anarchie im Unternehmen herrscht.

In den einzelnen Teams werden alle Dinge, wie Leistung und Gehalt diskutiert. Dabei wird die Leistung nicht an den Arbeitszeiten bzw. der Dauer der Arbeit gemessen, sondern an dem Erfolg. So können sich die Mitarbeiter den ganzen Tag mit ihrer Familie vergnügen, ständig Urlaub nehmen oder einfach das tun, was Ihnen Spaß macht, so lange sie einen guten Job machen.

Wer sagt, dass man nur produktiv arbeiten kann, wenn man im Büro sitzt?! Wer sich selber ein hohes Gehalt auszahlt, steht unter Beobachtung der Gruppe. Wenn er sich dazu den ganzen Tag eigentlich nur in der Sonne vergnügt, aber dafür einen guten Job macht, der wird von der Gruppe nicht an den Pranger gestellt.

Die Work-Life-Balance von Semco-Mitarbeitern wurde in einer Studie als sehr hoch eingestuft. Die Zeit, welche die Mitarbeiter in Freizeit investieren ist sehr hoch. Folglich würde man denken, dass die wenige Zeit, welche die Mitarbeiter tatsächlich der Arbeit widmen sehr gering ist und dadurch auch nicht besonders erfolgreich arbeiten würden. Aber wenn die Semco-Mitarbeiter arbeiten, dann tun sie es überdurchschnittlich und setzen dabei enorme Leistungen frei.

Ricardo Semler, Geschäftsführer von Semco und Entwickler dieses radikal demokratischen Managementsystems (wenn man es denn überhaupt noch so nennen kann), hat das Unternehmen als Nachfolger 1982 übernommen. In den Jahren ab Übernahme bis 2003 stieg der Umsatz des Unternehmens von 4 Millionen Dollar auf 212 Millionen Dollar. Und ie Fluktuation sank auf unter 1 Prozent.

Es funktioniert tatsächlich. In Brasilien jedenfalls.

Semler meint, dass dies System überall funktionieren würde. In jeder Branche und in jedem Land. Da wird bei mir die Skepsis wach. Ich finde dieses Modell bemerkenswert, aber glaube nicht, dass es überall funktionieren könnte. Vor allem nicht in Deutschland, wo die Deutschen für ihre Korrektheit und Pünktlichkeit bekannt sind. Und noch weniger glaube ich, dass es in Großstädten wie Berlin funktionieren kann, wo diese Eigenschaften geballt sind und wo eine hohe Schnelligkeit herrscht. Zwischen all diesen Hauptstädtern sollen die Mitarbeiter eines Unternehmens anders sein und sich nicht beeinflussen lassen, von dem Leben um sie herum? Das ist nicht möglich, denke ich.

Wie seht ihr das?

Quellen:

Bild: http://www.hasenstrick-hotel.ch/

Videos: http://www.youtube.com/

Literatur: http://www.zeit.de/karriere/beruf/2010-03/karriere-druck-gesundheit

http://bmss.wordpress.com/2010/12/11/die-befreiung-der-arbeit-das-7-tage-wochenende/

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