Managementgeschichte(n)

Managementtipps von Philipp II. von Spanien und Elisabeth I. von England

„Citius, altius, fortius“ – Unternehmer & Unternehmerinnen schauen naturbedingt  nach vorne, was nicht immer gut ist. Viele scheitern. Und das nur, weil sie Fehler machen, die andere bereits vor ihnen gemacht haben. Philip II. von Spanien und Elisabeth I. von England erklären, was gutes und was schlechtes Management ausmacht – heute, wie damals. Von Sascha S. Pfordte

„Die Flucht nach Vorne war unsere einzige Möglichkeit,…“

Pfordtinger: „Es ist nun schon einige Zeit her, aber Sie sagten bereits, dass Sie sich an den Krieg 1588 gegen Spanien noch erinnern, als sei es gestern gewesen. Wie stand es mit der Motivation der englischen Truppen, als bekannt wurde, dass die damals größte Flotte der Welt auf dem Weg war, um mit den in den Niederlanden wartenden spanischen Truppen das kleine Britanien zu erobern?“

Elisabeth: „Ja, die Situation damals war schon ziemlich aussichtslos. Es sah doch so aus: Wären die spanischen Truppen gelandet, hätten wir Insolvenz anmelden können. Für einen Krieg auf britischen Festland waren wir weder geübt, noch richtig vorbereitet oder ausgerüstet. Deshalb ging es für uns darum, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen. Die spanischen Truppen mussten zur See geschlagen werden. Die Flucht nach vorne war unsere einzige Möglichkeit, das schweißt dann natürlich zusammen.“

„Dezentrale Organisation und flache Hierarchien…“

Pfordtinger: „‚Zur See schlagen!‘, Sie sagen das so einfach. Die spanische Armada zur See zu schlagen war doch aber schon ein sehr sportliches Ziel. Trotzdem waren Sie erfolgreich. Wie haben Sie das gemacht?“

Elisabeth: „Im Kern haben wir uns auf wenige einfache Dinge konzentriert und unsere individuellen Stärken zur Geltung gebracht. Wir hatten insgesamt einen Schiffstyp, eine gemeinsame Sprache und gute Fachkräfte. Sicherlich muss man den Spezialisten dann auch den entsprechenden Freiraum lassen, um ihre Stärken ausspielen zu können. Ich habe den groben Kurs vorgegeben, die speziellen Entscheidungen im Einzelfall wurden dann von den spezialisierten Führungskräften vor Ort getroffen: Dezentrale Organisation und flache Hierarchien sind hier die Schlagwörter.“

Pfordtinger: „Trotzdem hat auch der Gegner selbst und der Zufall zum Erfolg beigetragen. Der Verlust großer Teile der Armada haben nicht nur der Kasse, sondern auch der Moral und dem Unternehmensimage geschadet. ‚One Philipp II go!‘ titelten einige Gazetten damals und forderten Ihren Abgang als Vorsitzender des Spanischen Weltreichs. Warum fand der Krieg aus Ihrer Sicht ein derart desaströses Ende?“

„Hier habe auch ich gemerkt, wo das Thema ‚Diversity‘ seine Grenzen hat.“

Philipp: „Das ist richtig, was Sie sagen. Es tut immer noch weh, wenn man daran zurückdenkt. Ich habe eine Reihe von Fehlern begangen. Zu erst einmal habe ich versucht alles selber zu kontrollieren. Jede Information musste über meinen Tisch gehen.  Das verlangsamt natürlich alle informationsabhängigen Prozesse, demotiviert die fähigen Führungskräfte und fördert nicht unbedingt die Kultur eines Mitunternehmertums in der Organisation.

Zusätzlich dachte ich, dass ich alles Regeln müsste und für jede Gegebenheit vorplanen sollte. Wir hatten alles dabei: Große Schiffe, kleine Schiffe, Kriegsschiffe, Transportschiffe, wendige Schiffe, langsame Schiffe. Aber auch Menschen aus verschiedensten Nationen. Hier habe auch ich gemerkt, wo das Thema ‚Diversity‘ seine Grenzen hat. Die zentralisierte Organisation hat letztlich dafür gesorgt, dass wir vor Ort keine schnelle Lösung dafür gefunden haben, dass wir mit unseren Schiffen nicht in der Lage waren an der Flachen niederländischen Küste zu landen, um meine Truppen einzusammeln und nach England zu bringen.“

„Trotz Führer war die Armada eigentlich führungslos“

Pfordtinger: „Und dann kam auch noch der Führungswechsel der Truppen – und das Wetter!“

Philipp: „So siehts aus. Der erste Topmanager vor Ort, Marqués de Santa Cruz, war ein rennomierter Kriegsherr, der alle Kniffe der Seeführung kannte, aber logistisch nicht optimal ausgebildet war. Nach seinem frühen und unglücklichen Tod trat der logitisch gut ausgebildete, aber in der Seekriegsführung unerfahrene Herzog von Medina-Sedonia, sein Nachfolge an. Trotz Führer war die Armada führungslos. Es gab ein riesiges Durcheinander. Der Transport der Landtruppen von den Niederlanden nach England  war bereits von der Agenda gestrichen. Ohne weitere Befehle für eine derartige Situation machte sich der Herzog mit den Truppen dem Wind folgend sicherheitshalber auf den Rückweg, um neue Befehle einzuholen. Auf diesem Weg wurden sie dann auch noch vom schlechten Wetter und den widrigen Gegebenheiten – Strömungen, felsigen Küsten – um Schottland und Irland herum überrascht. Der Rest der Geschichte ist weithin bekannt. Rund die Hälfte der Schiffe ging verloren.“

„Konzentration auf Kernkompetenzen“

Pfordtinger: „Also können wir zusammenfassen, dass moderne erfolgreiche Führung in einer dezentralen Organisation und flachen Hierarchien liegt. Außerdem führen die Konzentration auf Kernkompetenzen und die persönliche Anwesenheit vor Ort zum Erfolg der Unternehmung.

Ich bedanke mich bei meinen Gästen und freue mich schon auf das nächste Interview, in dem Xenophon erklärt, wie man auch als junger Manager ‚von hinten heraus‘ führen kann. “

……….

Quellen:

http://en.wikipedia.org/wiki/Philip_II_of_Spain ,15.01.2011, 23:00 Uhr
http://en.wikipedia.org/wiki/Elizabeth_I_of_England , 15.01.2011, 23:01 Uhr
http://de.wikipedia.org/wiki/Herzog_von_Medina-Sidonia , 18.01.2011, 17:38 Uhr
sowie eine inspirierende Vorlesung meines Dozenten Justinus Pieper (http://www.erfolgsgeschichte.net/), der sich ausführlicher damit befasst, wie man auch heute seine Lehren aus der Geschichte ziehen kann.

Die verwendeten Bilder sind „gemeinfrei“ und in Leserichtung unter folgenden Links abrufbar:

  1. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7b/Elizabeth_I_%28Armada_Portrait%29.jpg/300px-Elizabeth_I_%28Armada_Portrait%29.jpg
  2. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/eb/Elizabeth_I_in_coronation_robes.jpg/220px-Elizabeth_I_in_coronation_robes.jpg
  3. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/48/Alonso_S%C3%A1nchez_Coello_002b.jpg/210px-Alonso_S%C3%A1nchez_Coello_002b.jpg
  4. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/0c/Untergang_der_Armada.png/220px-Untergang_der_Armada.png
  5. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cc/Spanish_Armada.jpg
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3 Antworten zu “Managementgeschichte(n)

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