Tipps eines Insiders: Wenn Michael E. Porter und Rashid Baydon zum Lunch verabredet sind

Oder: Wie sich das Geschäfts- und Ertragsmodell der Shoppingclubs ändert

We need a change! Eine Veränderung des Geschäftsmodells wird meist in der Überarbeitung der Value Proposition oder der Value Architecture gesucht. Um mit seinem Unternehmen jedoch langfristig am Markt gewinnbringend zu performen, schlage ich an dieser Stelle eine simplere  Lösung vor und stelle den „Innovationsfaktor Erlösmodell“ am Beispiel der florierenden Shoppingclubs dar. Als Insider der Modebranche plaudere ich dabei gemeinsam mit Michael E. Porter aus dem Nähkästchen und verrate Produktionspreise und Wettbewerbsvorteile.

Seit unseren Vorlesungen zum Thema digitale Geschäftsmodelle drehen sich die zahlreichen Blog Artikel unserer Kommilitonen hauptsächlich um innovative Geschäftsmodelle, Wettbewerbsvorteile, Preisgestaltungsmöglichkeiten und Finanzierungsoptionen. Dabei hat sich mir die Frage gestellt, wie Unternehmen neben den Haupterlösen zusätzliche Einnahmequellen erzielen können.

>> Yes we can! Shoppingclubs erweitern ihr Ertragsmodell

Mein Artikel zur Zukunft der Shoppingclubs hat gezeigt, dass diese beginnen, ihre eigenen Produkte zu produzieren und somit die klassischen Vertriebswege umgehen. In meinem Interview mit dem Mode-Online-Outlet Kiss A Frog wurde die Wichtigkeit der Produktion der eigenen Modemarke ebenfalls bestätigt. Das Anbieten renommierter Fremdmarken wertet folglich die selbst hergestellten Produkte auf. Das Resultat schlägt sich in einer Erweiterung des Ertragsmodells nieder und verändert das mittlerweile triste Dasein der Shoppingclubs erheblich.

>> Ein T-Shirt ist wie eine Tasse Cafe: Man kann es das ganze Jahr über verkaufen

Im Folgenden zeige ich auf, weshalb sogar Michael E. Porter über die Wettbewerbsvorteile, die durch die Produktion der eigenen Bekleidung entstehen, staunen würde!

Das T-Shirt Beispiel: Als hauptberuflicher Modedesigner, der bereits in China, Pakistan, Thailand und co. seine Kollektionen produziert hat, kann ich guten Gewissens folgende Kalkulation aufstellen:

– Preis für die Produktion eines veredelten T-Shirts: 2,30€ netto

– Versand per Luftpost: 0,50€ pro T-Shirt

– Einfuhrzölle: 10 % des netto Preises mit Form-A ( 0,23€ )

Total: 3,03€ pro T-Shirt

Die Vorteile der neuen Einkaufspolitik versprechen höhere Gewinne, obwohl keine Betriebskosten eingespart wurden und der Verkaufspreis nicht erhöht wurde. Lediglich der Einkaufspreis des T-Shirts ist günstiger, da die Zwischenhändler ausgeschaltet wurden (regulärer EK für das Markenshirt ca. 7-9€).

Wie der Post von Max Bleyleben bereits richtig verdeutlicht, müssen die Shoppingclubs in Zukunft die Produkte bei den Herstellern vorfinanzieren. Zwar lässt sich durch die eigene Produktion von qualitativ hochwertigen Artikeln eine Änderung des Geschäftsmodells feststellen, doch die Effizienz dieser Umgestaltung schlägt sich durch Kostenvorteile gegenüber Wettbewerben nieder.

>> Wettbewerbsvorteile durch Erfahrungen

Do you agree Michael?

Meine Umfragen beim Zalando X-Mas Sale zeigten, dass die Kunden mit den Lieferzeiten von 4-6 Wochen sogar einverstanden sind. Folglich lassen die Shoppingclubs lediglich Musterkollektion produzieren, vor Ort ablichten, um sie anschließend als Verkaufsaktion anzubieten. Das Konzept lautet: Production on demand – erst nach Ablauf der Sales-Aktion und Zahlungseingang durch den Kunden wird das T-Shirt produziert.

Die Innovation des Ertragsmodells kann sich in der Quersubventionierung der renommierten Markenprodukte widerspiegeln.

Die Produktionszeit beträgt erfahrungsgemäß ca. 10-14 Werktage. Der Expressversand inkl. Verzollung ca. 2-3 Werktage. Der anschließende Versand an den Kunden ebenfalls 2 Werktage. Die Lieferfrist von 4 Wochen wird somit eingehalten. An der Zufriedenheit der Kunden ändert sich nichts. Wahrscheinlich wird diese eher steigen, denn die Shoppingclubs können exakt die Artikel produzieren lassen, die in den letzten Jahren Top-Seller waren.

Das ökologische  Ziel des Unternehmens kann Sympathievorteile und Loyalität hervorbringen, wenn z.B. T-Shirts aus Bio-Baumwolle angeboten werden. Das Geschäftsmodell ist infolgedessen besser auf das Einkaufsverhalten der Kunden zugeschnitten.

Durch das production on demand Verfahren lassen sich ebenfalls höhere Stückzahlen absetzen, da Hersteller sonst meist nur begrenzte Stückzahlen auf Lager hatten. Durch das überlegene Geschäftsmodell-Design kann somit auch in Zeiten der Stagnation (Sommerloch) mit einer positiven Unternehmensperformance gerechnet werden. Die Prinzipien des Entrepreneurial Finance wurden durch den Innovationsfaktor Ertragsmodell erfüllt:

  1. More Cash is preferred to less cash
  2. Cash sooner is preferred to cash later
  3. Less risky cash is preferred to more risky cash
  4. Buy low – sell high –keep good records

>> Und was würde Michael E. Porter nun dazu sagen?

Der von Max Bleyleben zuvor begründeten Lieferantenmacht kann durch eine Geschäftsmodell- sowie Ertragsmodellerweiterung, getrotzt werden. Durch das Schaffen von rentablen Substituten kann die Verhandlungsstärke der Abnehmer ausgebaut werden.

Wenn die Shoppingclubs nun noch die Gestaltung der Bezahlweise verbessern würden und Services wie Billmelater.com einführen, könnte man auch an dieser Stelle von einer Innovation der Finanzströme sprechen.

Wir haben somit gelernt, dass die zusätzliche Einnahmequelle deutliche Auswirkungen auf den Erfolg des Unternehmens hat und das durch ein bisschen Mathematik und strategisches Denken wichtige Wettbewerbsvorteile geschaffen werden können. Wer sich darüber hinaus nun angespornt fühlt sein Geschäftsmodell zu verbesser und weitere Ideen sucht, dem empfehle ich den Post zum Thema Net Working Capital von Anders Sundelin zu lesen.

Quellen
Literatur:  –  Stähler, Patrick; Geschäftsmodelle in der digitalen Ökonomie, JOSEF EUL VERLAG, Auflage: 2. Aufl. (Oktober 2002), Seite 40 – Alexander Osterwalder/ Pigneur; Business Model Generation; John Wiley & Sons; Auflage: 1. Auflage (20. August 2010) Internet: – http://blog.business-model-innovation.com/tag/business-model-innovation/ – http://maxbley.typepad.com/maxs_blog/2010/10/its-official-shopping-clubs-kick-off-a-new-phase.html – http://tbmdb.blogspot.com/2010/01/net-working-capital-reflection-of.html
Bildquellen
Picture 1:Obama: http://cache2.allpostersimages.com/p/LRG/35/3577/25C2F00Z/poster/barack-obama-change.jpg Picture 2: T-Shirt: Privat, Eigenerstellung Picture 3: Porter: http://cindyhsu.com/images/porter.jpg Picture 4: Schwein/Geld: http://diepresse.com/images/uploads/9/6/9/612713/lebensversicherungen_wenig_ertrag_ lebensversicherung20101123194141.jpg
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Eine Antwort zu “Tipps eines Insiders: Wenn Michael E. Porter und Rashid Baydon zum Lunch verabredet sind

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