„Die innovative Form der Produktpräsentation im Bild“

Die Fotographie als Kunst existiert schon lange. Viele versuchen ihren Produktfotographie  innovativer zu machen, um auf den
gesättigten Markt weiter leben zu können. Manche probieren es weiter zu kommen  durch eine Kostenreduzierung. Manche anderen spielen auf der Qualitätsseite und wollen damit ihren Kunden einen besseren Service bieten. Nach diesem Ziel strebt Alexander Krause, einer der zahlreichen Berliner Fotographen die auf dem Markt sind. Alexander Krause versucht mit seinen langen, reichen Erfahrungen und seinem jetzigen Studium, seinem Unternehmen eine Neuausrichtung zu geben.

Um euch das Thema „berlin-bits“ nahe zu bringen, habe ich mit Alexander Krause ein Interview geführt.

Khaled:
Alex  was kannst du uns erzählen zum Thema „berlin-bits“ allgemein?
Alexander:
Ich bin seit 1999 selbständig und unter dem Namen „berlin-bits“ am Berliner Markt unterwegs. Mein Angebot ist Fotografie und Web-Dienstleistungen, wobei der Fokus im Web-Bereich immer mehr Richtung Beratung, Projektmanagement und Kundenkommunikation geht.

Khaled:
Wie geht es „berlin-bits“ jetzt? Ist alles in Ordnung? In welchem Stand bist Du jetzt?
Alex:
Ich bin stabil auf sehr niedrigem Niveau, ab 2008 hab ich stark gespürt, dass meine Kunden sparen, wo es nur geht. Momentan habe ich einige spannende Ideen für eine Neuausrichtung im Kopf, mal sehen, was daraus wird.

Khaled:
Wie ist die Idee entstanden?
Alex:
Ursprünglich sollte die Gründung im Team mit einem Freund von mir geschehen. Hat sich allerdings nicht so ergeben. Er war damals Student und ich bin 1999 das erste Mal Vater geworden, da hatten wir einfach zu unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen.

Khaled:
Wer ist noch mit Dir im Team?
Alex:
Leider Niemand! Das ist ein Thema, das sich durch die letzten 10 Jahre, meiner Arbeit zieht:
Ich bedaure es, kein stabiles und kreatives Team um mich zu haben. Lediglich projektbezogen gibt es ab und zu eine Zusammenarbeit mit Grafikern und Programmierern.
Einen Ausgleich dafür habe mit dem Studium an der HWR gesucht und gefunden.

Khaled:
Was sind die Schwierigkeiten die Dir am Anfang entgegen gekommen sind? Hast Du es geschafft sie zu beseitigen?
Alex:
Ein Grundproblem ist sicher, dass ich kein Geschäftsmodell habe, ich biete lediglich meine Fähigkeiten am Markt an und hatte bisher das Glück immer genügend Kunden zu finden.
Eine andere Problematik ist, dass weder in Schule noch Ausbildung die Führung eines Unternehmens gelehrt wird. Ich hatte einen Businessplan und auch einen Existenzgründerkredit, aber von Planung, Buchhaltung und Finanzierung keine Ahnung.
Das musste ich alles in der Berufspraxis ausprobieren und habe auch so manchen Fehler gemacht.

Khaled:
Welchen Nutzen versprichst Du deinen Kunden? (value proposition)? Wer ist Deine Zielgruppe?
Alex:
Tja, wenn ich das so genau wüsste…Im Grunde bekommen die Kunden neben einer technisch einwandfreien Problemlösung vor allem eine gute und ehrliche Beratung. Ich verkaufe lieber weniger und bediene dafür individuell und passend, das macht mir mehr Spaß und die Kunden sind zufriedener. Eher zufällig hat sich ergeben, dass meine Kunden oft aus dem sozialen Dienstleistungssektor sind, also Stiftungen, Vereine, Organisationen im Bereich der Jugend- & Behindertenhilfe sowie Geriatrie.

Khaled:
Hast Du Schwierigkeiten bei der Fertigung des Businessplan gehabt? Was sind diese Probleme? Konntest Du das schnell arrangieren oder beseitigen, oder bestehen die Schwierigkeiten bis heute noch?
Alex:
Ich hatte so einen Leitfaden von einem Wettbewerb (von der Sparkasse, glaube ich). Den habe ich durchgearbeitet, das hat 3-4 Monate gedauert, dann hatte ich einen Plan… es war gut für mich, weil ich mich einige Wochen intensiv mit dem Vorhaben und mir selbst beschäftigt habe…
Aber am Ende habe ich eher gegründet, weil ich keinen anderen Job gefunden hab, aber Kunden hatte, die mich einige Zeit über Wasser halten würden.
… Von Geschäftsmodellen hat mir damals noch niemand etwas erzählt.

Khaled:
Stimmen bis jetzt die Planung auf dem Businessplan mit der Realität überein?
Alex:
Überhaupt nicht 😉

Khaled:
Was denkst Du, ist „berlin-bits“ einzigartig oder einfach eine Copycat von anderen Anbieter?
Alex:
„berlin-bits“ ist nichts besonderes, es gibt tausende ähnliche Anbieter in Berlin.

Khaled:
Kann man im Fall „berlin-bits“ über Wertkettenanalyse / Wertschöpfungskette sprechen?
(Wie sehen die Kosten aus? Sind sie zu hoch? Kannst Du Gewinne erzielen die Deine Ausgaben decken)?
Alex:
Wie gesagt, es gibt kein Geschäftsmodell, ich stehe mit tausenden anderen Anbietern auf dem Markt, es gibt einige wenige Kunden, die wissen, dass ich gut bin und daher wieder kommen.
Kosten und Einkünfte halten sich irgendwie in der Waage, da steckt keine Kalkulation dahinter, nur Bauchgefühl und ein Blick aufs Konto 😉

Khaled:
Kann man über ein innovatives Geschäftsmodell im Fall „berlin-bits“ reden?
Alex:
Nein… aber ich arbeite dran…

Khaled:
Wer hat Sie unterstützt? Wurden Sie als neues Startup gefördert von irgendeinem Fond?
Alex:

Ich habe glücklicherweise einige Fördermöglichkeiten genutzt:
– Einen Existenzgründerkredit über 15.000 Euro, damals noch zinslos mit 10 Jahren Laufzeit.
– Zuschüsse aus einem Zukunftsfond für Vorbereitende Maßnahmen.
– Zuschüsse aus einem Fond zur Verbesserung der Gewerbestruktur der Region, welcher mir 10 % zu den Investitionen in den ersten zwei Jahren „geschenkt“ hat.

Khaled:
Ist der Markt gesättigt oder gibt es noch Opportunity, und bestehen noch Möglichkeiten für Wettbewerber mit Dir auf dem Markt einzudrängen oder rein zu kommen?
Alex:
Der Berliner Markt ist übervoll mit kreativen Köpfen, von denen viele auch richtig gut sind.
Jährlich kommen tausende aus Ausbildungen, von Universitäten und Quereinsteiger dazu. Es müsste schon eine verdammt clevere Idee sein um hier etwas zu gewinnen… und es wird schnell kopiert…
Ich glaube neue technische Lösungen sind nicht mehr entscheidend, die Verkaufsargumente sind eher soziale Kompetenzen und Erfahrung.

Khaled:
Bist Du zufrieden mit dem was Du bis jetzt erreicht hast?
Alex:
Ja natürlich, ich hatte eine spannende Zeit bisher und ich habe überlebt!
Ich bin ja mit der Web-Bubble im letzten Jahrtausend gestartet, aus Euphorie wurde Ernüchterung, aus Party wurde Insolvenz, aber ich bin noch da. Und ich habe viel erlebt, vor allem auch durch die diakonischen Unternehmen in meinem Kundenkreis habe ich viele tolle Menschen kennen gelernt.

Khaled:
Wie sehen die Zahlen bei „berlin-bits“ aus?  Die Entwicklung des Unternehmens? Gewinne? Ausgaben?  Wie viele Kunden hast Du?
Alex:
Tja, Kunden sind wenige… 2009 hatte ich das erste Mal ein Minus am Jahresende zu verzeichnen, 2010 wird wohl bei null liegen, aber langsam geht es wieder aufwärts.
Immerhin bin ich die Stütze der Gesellschaft, bei mir wird nicht gespart, was da ist, geht durch Steuern und Investitionen in den Wirtschaftskreislauf zurück.

Khaled:
Was möchtest Du sagen für die, die „berlin-bits“ noch nicht kennen? Wie kann die Zukunft von „berlin-bits“ nach Deiner Ansicht aussehen?
Alex:
Jetzt wird’s spannend…Das Studium an der HWR ist leckeres Futter für mein Hirn, das sind die Inhalte der Vorlesungen, aber auch der Austausch mit den Kommilitonen. Es sind ja fast alles Leute, die auch etwas bewegen wollen und jede Menge heiße Ideen entwickeln.
Ich halte die soziale Komponente in Geschäftsprozessen für sehr interessant, darüber möchte ich mehr wissen. Wenn ich mir die Welt ansehe, dann sehe ich einen Zwang zur Veränderung.
Ich möchte nicht an dem Verhalten teilhaben, wie sie mir große Konzerne und die Politik vorleben. Es ist Zeit für eine Vision, um unsere Gesellschaft ein Stück voran zu bringen. In Berlin haben wir so viel mehr als der Rest der Menschheit… lecker Essen, ein Dach über dem Kopf, Frieden… wer soll denn mit der Veränderung beginnen, wenn nicht wir hier?
Ich glaube fest daran, dass Erfolg und Gewinn viel mehr als Geld und Aktienkurs ist.
Ich habe daher ein Experiment begonnen:
Zum Einen ist es der strategische Versuch die Regeln des Marktes zu ändern: Der Kunde bestimmt den Wert!
Zum Anderen bin ich gespannt, welche Erfahrungen und Antworten ich finden werde.
Einige Fragen habe ich schon:
Welche Rolle spielen Fairness, Sympathie und Transparenz im geschäftlichen Miteinander?
Welche Unternehmen sind mehr als reine Nutzenoptimierer und warum?

Quellen:

http://www.berlin-bits.de
http://www.xing.com/profile/Alexander_Krause2
http://www.interface-berlin.org
http://www.economy-of-sympathy.com/

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5 Antworten zu “„Die innovative Form der Produktpräsentation im Bild“

  1. Warrior_Rashid 10/01/2011 um 22:32

    Hallo Khaled,
    Hallo Alex,

    ich richte mal meinen Post an euch beide.

    Es war wirklich interessant eine kleinen Einblick in die Entwicklung des Unternehmens zu bekommen. Ich würde dir, Alex, ja von Herzen wünschen, dass es 2011 wieder aufwärts geht.

    Denn den Alex, den ich am Anfang des Studiums kennengelernt habe, war ein ziemliches schlaues und kreatives Köpfchen. In diesem Sinne stelle ich dir, Alex, mal die Frage, was aus deiner Idee geworden ist, die du uns im Rahmen des Kurses bei Frau Panick vorgestellt hast: Einen Erholungsraum in den großen Firmen zu integrieren, in dem sich gestresste Mitarbeiter zurückziehen können und wieder zu sich finden. Google Village in Berlin City 😀

    Hast du die Idee etwa verworfen, ist sie bereits gescheitert oder gar nicht mehr aktuell?
    Die sozialen Komponenten werden doch heutezutage immer wichtiger.
    Siehe hierzu auch unseren Artikel über betterplace.org.

    go to: https://entrepreneurialwarriors.wordpress.com/2010/12/28/try-to-make-the-world-better-%e2%80%93-betterplace-org/

    Also Alex, immer Kopf hoch 😉

    Dein Warrior Rashid

    • derliebealex 10/01/2011 um 22:56

      Hey Rashid…
      Du erinnerst Dich an das „outsidein“-Konzept?
      Ja, das liegt in der Schublade, ist aber nicht vergessen. Neben dem Studium noch Geld verdienen… oder neben dem Geldverdienen noch studieren… ist hart… zumal ich ja noch eine extra große Portion Energie in meine Familie investiere… sehr gerne investiere.
      Da bleibt so manche Idee auf der Strecke, weil der Tag leider nur 24 Stunden hat und ich auch ab und zu schlafen muss.
      Aber das Leben ist schön und gute Ideen gibt immer wieder.
      Und manche müssen vielleicht ein paar Jahre in der Schublade reifen.

      derliebealex

      PS: einen Link haben wir vergessen:
      http://www.bilderbunker.de/

  2. Sascha S. Pfordte 11/01/2011 um 11:34

    Hallo lieberalex,

    da klingt so eine melancholische Grundstimmung mit, die ich für dich unpassend finde.

    In einem ersten Punkt kann ich dich beruhigen: du hast ein Geschäftsmodell. Ohne Geschäftsmodell kein Geschäft. Es kann sein, dass dein Geschäftsmodell nicht so innovativ ist, wie manche meiner lieben Entrepreneur-Hippies es gerne hätten, aber da warten wir mal ab. Denn das was du mit deinem „Pay What You Want“-Konzept testest könnte eine Innovation des „Revenue Streams“ in Verbindung mit der Zielgruppe Businesskunden sein.

    Dein Ansatz ist doch genau richtig. Photographie (und deren Nebenprodukte) ist ein People-Business. Diese Art von Geschäft machst du in der Regel nur im B2B-Bereich.
    Kombiniert mit einem neuen Ertragsmodell = Innovation.

    Also ich habe gerade Lust bekommen, eine komplette Marktanalyse für den Bereich Photographie in Berlin zu machen. Blöd, dass man so wenig Zeit hat. Würde dir anbieten beim nächsten Zusammentreffen das mal durchzugehen, wenn du Lust hast.

    Beste Grüße,
    der Sascha

  3. warriorneo 12/01/2011 um 15:47

    Schönes Interview! Hat mir mal gezeigt, was du genau machst und wie du darüber denkst :).

    Die innovative Form der Produktpräsentation im Bild:
    Da du dich ja in einem Polypol bewegst, sind Netzwerke ((https://entrepreneurialwarriors.wordpress.com/2011/01/04/anabolika-fur-start-ups-teil-1/)) von großer Bedeutung. Hat man sich erstmal Kunden erkämpft und diese mehr als zufrieden gestellt, werden sie einen über Mund zu Mund Propanga (http://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/mund-zu-mund-propaganda) empfehlen.
    Zitat Alex: „Im Grunde bekommen die Kunden neben einer technisch einwandfreien Problemlösung vor allem eine gute und ehrliche Beratung. Ich verkaufe lieber weniger und bediene dafür individuell und passend, das macht mir mehr Spaß und die Kunden sind zufriedener.“
    Das sollte zwar selbstverständlich sein, doch genau das macht bei einem Polypol die „Player“ aus. Ich wünsche dir auf jeden Fall für die nächste Zeit viel Glück und auf ein erfolgreiches 2011.

    @Sascha: Zitat Alex: „Aber am Ende habe ich eher gegründet, weil ich keinen anderen Job gefunden hab, aber Kunden hatte, die mich einige Zeit über Wasser halten würden.“
    Ich denke mal, dass Alex jetzt zufrieden mit seinem eingeschlagenen Weg ist, sonst würde es ihm nicht so viel Spaß machen. Es gibt immer Höhen und Tiefen 😉

  4. feuerherz 18/01/2011 um 11:19

    Also ich denke, dass DU als Person die größte Wertschöpfung in deiner Arbeit als Fotograph bist bzw. DU mit dir selber als Person hohe Erträge generieren kannst. Du bist einfach eine Person, die liebevoll und sehr witzig bist, sehr viel Verständnis für andere hast (dich also dementsprechend in andere Wünsche und Vorstellungen gut hineinversetzen kannst), viel Fantasie hast…. etc. Du bist einfach ein super Gesamtpaket, was sich sehr gut verkaufen lassen würde, wenn man erstmal einen Weg gefunden hat, wie man deine Persönlichkeit mehr in den Mittelpunkt rückt.
    Gute Fotographen gibt es wie Sand am Meer. Aber Fotographen, mit einer Persönlichkeit wie deiner, nur wenige.

    Wie du sagst, greifen viele Kunden, die dich bereits kennen, später wieder auf dich zurück. Sie haben dich also kennengelernt und arbeiten anscheinend gerne mit dir.
    Ich denke, dass dein Ansatz, den du gerade als Experiment ausprobierst, sehr gut ist, um an Bekanntheit zu gelangen. Du wirst dich warscheinlich oft unter Wert verkaufen, aber dafür viele Connections knüpfen.

    Ich wünsche dir weiterhin sehr viel Glück.
    Bleib so wie du bist.
    I mog di 😉

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