Niiu – Aus oder Neuanfang?

Die individuelle Tageszeitung Niiu hat seine Produktion eingestellt. Das innovative Geschäftsmodell, das die Herzen von Zeitungslesern höher schlagen sollte, hat es nicht geschafft, aus seinen roten Zahlen zu kommen und stellte deshalb Anfang dieses Jahres seine Produktion bis zum Sommer ein. Wer die Köpfe hinter Niiu sind, warum sie jetzt eine Pause einlegen müssen und was vielleicht danach kommt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Idee eine „besondere“ Zeitung zu gestalten und zu verkaufen hat die Gründern und Studenten der HWR Wanja S. Oberhof und Hendrik Tiedemann schon einige Zeit lang beschäftigt. Von der Idee erfuhr ich persönlich Mitte 2008. Auf einer Infoveranstaltung der HWR wurde damals das Konzept kurz angesprochen.

Das Konzept

Die erste Ausgabe erschien am 16. November 2009. Abonnementen konnten aus 18 regionalen, nationalen und internationalen Tageszeitungen und aus über 600 Blogs ihren Inhalt, über die Internetsoftware von Niiu bis 14 Uhr zusammen stellen. Die gedruckte Ausgabe wurde dann pünktlich um 6 Uhr morgens vor die Tür geliefert. Dies galt aber vorerst nur für Berlin. Interessenten aus anderen Regionen konnten auf das individualisierte ePaper zurück greifen. Die gedruckte Zeitung hatte einen Umfang von 24 Seiten.

Im folgenden findet ihr ein interessantes, jedoch von Optimismus geprägtes Interview mit Wanja S. Oberhof.

Die Qualität

Als dann das Gründerzentrum der HWR seine Pforten Ende 2009 öffnete, hat sich auch die Niiu Gründer blicken gelassen und einen kurzen Vortrag gehalten. Interessiert beschäftigte ich mich im Laufe des Jahres 2010 mit der Zeitung. Bis auf die Idee, einen personalisierten Inhalt vorzufinden, ließ meine Begeisterung aber nach… Warum? Erstens gefiel mir das Papier der Zeitung nicht, klingt etwas verwöhnt, aber wenn man 1,80€ bzw. 1,20€ für Studenten zahlt erwartet man gewohntes und festes Papier, wie die des Tagesspiegels, den ich sonst lesen würde. Auch der Druck war nicht besonders klar. Wirkte sogar etwas verschwommen, meiner Meinung nach. Für diejenigen die es interessiert, die Niiu wurde im Océ JetStream 2200 im InkJet von Rolle-zu-Rolle gedruckt. Dies übernahm die RT Gruppe für Niiu. Leider kam es auch vor, dass die ein oder andere Zeitung einzelne weiße Seiten aufwies, was nicht gerade für Qualitätsmanagement spricht. Natürlich kann man darüber hinwegsehen, aufgrund der jungen Geschichte der Zeitung, aber wer am Markt bestehen will, muss meiner Meinung nach Qualität bieten oder „For Free“ sein.

Das Problem

Nun hat Niiu seine Produktion bis zum Sommer 2011 eingestellt, um weiter an ihrem Geschäftsmodell zu arbeiten. Es wird gemunkelt, dass sich die Gründer auf das B2B Geschäft konzentrieren möchten.

Das Ziel 5000 zahlende Abonnementen innerhalb eines Jahres zu finden ist fehlgeschlagen. In einem solchen Markt, wie der gedruckten Presse auch nicht weiter verwunderlich. Immer mehr Informationen werden online abgerufen und das größten Teil umsonst! Aber es gibt noch genug konventionelle Leser, die auf die Haptik beim Lesen nicht verzichten wollen, aber ist diese Zielgruppe auch so modern, dass sie sich auf eine Individualisierte Zeitung einlassen wollen? Meiner Meinung nach ist das Lesen einer bestimmten Zeitung, wie das Rauchen einer bestimmten Marke, nun mal Gewohnheit, die man so schnell nicht wieder aufgibt oder wechselt.

Ein anderes Probelm ist die konservative Haltung der Verlage. Die sich gegen alles sträuben, was sie eines Tages von ihrem Tron stroßen könnte. Erinnert mich an die Situation der vielen Arabischen Diktatoren, gegen die momentan revoltiert wird.

Neuanfang

Mein Tipp teurer Tipp an Niiu ist der, dass Sie sich dem B2C Bereich nicht abwenden sollten. Hier sollte aber das Ertragsmodell geändert werden. Die Zeitung sollte an Privatkunden weiter individuell angepasst sein, jedoch nur als ePaper versendet werden, um den Fixkostenblock weiter zu drücken. Kunden die auf die Haptik nicht verzichten können und wollen drucken sich ihr Exemplar innerhalb weniger Minuten selbst aus! Als Ertragsquelle dient dann weiterhin die personalisierte Werbung, die im ePaper steckt. Ähnlich des Geschäftsmodells des Studentensupports, über das wir schon berichteten.

Für Firmenkunden könnte sich eine gedruckte Ausgebe weiterhin lohnen. Für Niiu und auch für die Unternehmen selbst, um ihre Mitarbeiter teils emotional an ihr Unternehmen zu binden.

Was die Zukunft bringt, wird bestimmt interessant, insbesondere für die Niiu Gründer.

Viel Erfolg weiterhin!

Quellen:

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2 Antworten zu “Niiu – Aus oder Neuanfang?

  1. Warrior_Rashid 03/02/2011 um 01:11

    Hey Alex,

    schon schade mit Niiu, aber ich hoffe, dass Wanja weiterhin so optimistisch bleibt wie in deinem geposteten Video.

    In Zeiten der digitalen Ökonomie, sollte Niiu definitiv das Internet als Chance wahrnehmen um vielleicht sogar die Tageszeitung auf elektronische Endgeräte wie das Ipad zu bringen.

    Den Fokus nun auf den B2B Bereich zu legen, halte ich für richtig.
    Wichtig sind da dann feste Kooperationen mit Hotels oder auch der Gastronomie.
    Als Beispiel ist da ja nur mal das Berlin& I Magazin zu nennen, wo die Hotel Zusammenarbeit optimal funktioniert. Selbst ich lese das Magazin und bin jedesmal überrascht, was Berlin so zu bieten hat.

    Aber auch in der Modeindustrie könnte ich mir die dann branchenspezifische Zeitung gut vorstellen.
    Und Berlin ist mit seinen zahlreichen kreativen Köpfen dafür doch gerade hervorragend geeignet.

    Mein Tipp an Niiu:
    Erneut mit einer regionalen Zusammenarbeit im B2B-Geschäft beginnen, jedoch nur in den Boom-Branchen. Studien zeigten ja bereits, dass Deutschland in 27 Branchen Markführer ist. Die Tür steht somit offen…durchgehen müssen die Gründer jedoch alleine!

    Für heute.
    Lg,

    Warrior Rashid

  2. khaled_msakny 05/02/2011 um 20:55

    Wenn man dieses Interview von Wanja S. Oberhof hört, merkt man schon diesen Optimismus. Überzeugung von dem was er und sein Mitgründer Hendrik Tiedemann machen. Das weist uns wieder auf andere wichtige Eigenschaften des Unternehmers hin. Der Mann scheint so sicher zu sein von seiner Idee, alleine innovativ in einem Bereich zu sein lässt einem vom weiteren Erfolg träumen. Was ich aber gut an Wanja S. Oberhof fand, ist sein Machbarkeitsstreben. Er und sein Mitgründer Hendrik Tiedemann haben sich diesbezüglich Gedanken gemacht, wie soll es funktionieren? Am Ende haben sie ihre Idee durchgesetzt. Hinter diesem Interview steckt auch der hohe Motivationsgrad. Sie wollen etwas leisten für die Welt der Zeitung, um diesem Markt neue Perspektiven zu geben. Die hohe Leistungsmotivation, die man bei Wanja S. Oberhof spüren kann, ist mit dem Machbarkeitsstreben eng verbunden. Der HWR Student ist hoch motiviert und von seinen Ideen überzeugt. Er glaubt daran, dass er sein Unternehmen sehr weit nach vorne treiben und damit sehr erfolgreich machen kann. „Der Glaube an den eigenen Erfolg ist oftmals schon der „halbe“ Erfolg“ (Koch/Zacharias, 2001, S.65). Das halte ich als sehr wichtig und auch positiv.

    Und jetzt zu dem Thema Preis/Qualität, was man nicht außer Acht lassen darf. Jeder Kunde versucht zu finden, ob der Preis in Bezug auf die Qualität zu hoch oder günstig ist. Am Ende wird er sich wünschen, dass die Qualität gleich oder mehr Wert ist, als das was er bereits bezahlt hat. Bei den Unternehmen die deren Produktion auf Papierdruck basieren wie z.B. Zeitungen und Verlage, wird ständig versucht in den Materialkosten zu sparen – in unserem Fall „das Papier“. Das ist vielleicht der Grund, warum die Qualität des Papieres von „niiu“ nicht so gut war!? Aber ich würde sagen, dass das Unternehmen noch neu auf dem Markt ist und es hat noch enorme Margen sich zu entwickeln sowie auch die Produktionskosten so niedrig wie möglich zu machen. In der Produktion ist es auch so, dass umso mehr man produziert, umso weniger werden die Produktionskosten.

    Meiner Meinung nach, die Idee sich auf dem B2B Markt zu konzentrieren ist nicht schlecht. Was sie aber beachten müssen, ist die Qualitätsseite. Man kann verschiedene Kunden ansprechen wie z.B. die Zeitung virtuell zugängig zu machen für Studenten und andere Zielgruppen die lieber keine Zeitungen in der Hand haben wollen und auch die News und Informationen billiger als kostenlos haben wollen. „Niiu“ kann z.B. die Zeitung im Internet billiger anbieten, für einen monatlichen Betrag als Flatrate. Desweiteren für Leute und Firmen, die gerne das Papier anfassen wollen, werden Exemplare ausgestellt (ausgedruckt). Hierdurch wird richtig gespart.

    Die Hauptzielgruppe sind Leute, ich denke das sind genug, die gern noch bis heute eine Zeitung beim Frühstücken lesen wollen, das ist einfach ein anderes Gefühl. Das man selbst bestimmen kann, was man in seiner Zeitung finden will, ist total der Hammer. Stell dir mal vor wie viel du zahlen müsstest, wenn du die Zeitung einzeln kaufen würdest? Da wirst du sicher viel mehr als 1,80€ oder 1,20€ zahlen! Vor allem halte ich es für ökologisch, da einfach weniger Papier verbraucht wird.
    Wenn “niiu” jetzt bei der Bearbeitung des Businessplans ist, es schafft die kosten runter zu drücken, sich an den Wünschen der Kunden anpasst und vor allem wettbewerbsfähig ist, dann kann ich nur sagen, dass die Zukunft der gedruckten Presse für die niiu-Zeitung ist. Und wer weiß, vielleicht wird das Unternehmen durch einen Business Angel gefördert und somit Teile der finanziellen Probleme gelöst. Ich finde, dass die Idee einfach genial ist.

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