Von „cool“ bis „was zum…“?

Coole Idee, offene Fragen

Geiles Wetter, freie Zeit und…keine Ahnung was ich aus dieser sensationelle Ausgangsitation machen soll! Ins Kino, Dampferfahrt, oder doch in die Bar? Zum Glück gibt es Regiondo, die neue Plattform für Freizeitangebote, die einem einem auch mal eine nette Massage vorschlägt oder einen Besuch im „Internationalen Artistenmuseum“. Die Freizeitmacher zwischen „cool“ und „was zum…?“. Das steht zwischen den Zeilen des Gründerszene-Interviews mit den Regiondo-Gründern. Von Sascha S. Pfordte

Die Idee

Im gestern veröffentlichten Gründerszene-Interview mit den Regiondo-Gründern Rodney Younce und Yann Maurer geht die Gründerszeneautorin Nora-Vanessa Wohlert das übliche „Was ist eure Idee?“– bis „Wo seht ihr euch in einem Jahr?“-Prozedere durch. Insgesamt etwas langweilig, wie ich finde.

Die Idee von Regiondo (www.regiondo.de), die hier in einem schönen Präsentationsvideo nocheinmal zusammengefasst wird, finde ich hingegen schon interessant, zweifle aber am Team und der Umsetzungskompetenz.

Retortenmarketing?

Die Überschrift ist bewusst mit einem dezenten Fragezeichen versehen (ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen). Aber betrachtet man die Namen üblicher deutscher Internet-Startups überfällt einem mittlerweile das Samwersche Langeweile-Syndrom: Die ganzen Alandos, Zalandos, Mirapodos und wie sie alle heißen, zeugen dann doch von kreativem „Blackout“.

Auch das Design der Website hat mich ersten Moment stark an die typischen Samwerplattformen erinnert. An dieser Stelle frage ich mich so nebenbei wer der „Business Angel[…], der von unserer Idee sofort begeistert war.“ ist?

Zudem stellt sich mir nach einer Stunde intensivem Kaffeetrinken und auf das Logo starren auch immer noch die Frage, was dieser ominöse I-Punkt darstellen soll? Ist das ein Fingerabdruck? Und selbsterklärend ist der Name auch auf keinen Fall. Klingt eher nach: „Regiondo – Ihr regionaler Wanderkartenspezialist“.

Das ist prinzipiell alles in Ordnung, lässt mich ebend nur an der Qualität des „zwanzigköpfige[n] Team[s] aus Marketing-, Social-Media-, IT- und Sales-Profis“ zweifeln.

„Was zum…? USP? Marktpotenzial? Lass mich mit solche Kleinigkeiten in Ruhe“

Stärken und Schwächen des Geschäftsmodells scheinen auch nicht klar. Auf die Frage nach der USP (Alleinstellungsmerkmal) antworten die Gründer mit einer Beschreibung des Kundennutzens, einer Zielgruppenbeschreibung, einem „Proof-of-Concept“ und einer kleinen Konkurrenzanalyse. Ich bin beeidruckt, aber hinsichtlich der USP so schlau wie vorher. Zudem habe meine Zweifel, dass die Gründer einen Schlachtplan in der Schublade liegen haben, falls jemand wie ich morgen auf Idee kommt sich mit einem Brandenburger Lottomillionär zusammenzuschließe  um „Freizeito – Gucken, Klicken, Genießen“ zu gründen und Rodney & Yann etwas zu ärgern.

Expansion!

Die Aussage, man möchte zum kommenden Jahr international aufgestellt sein, zeugt von einer aggressiven Expansionsstrategie. Das lässt mich widerum darauf schließen, dass man noch lange nicht im Bereich der schwarzen Zahlen ist und der deutsche Markt, trotz seiner Größe, nicht ausreicht um ausreichend Rendite zu erzielen. Dafür spricht auch, dass Wohlerts Frage nach dem geschätzten Marktpotential gepflegt ignoriert wurde. Vielleicht haben hier die 20 Vollprofis zugeschlagen – auf einem Niveau, das ich nicht verstehe.

Insgesamt schwimmt da für meinen Geschmack etwas der 123skins-Philosophie mit: Geld wächst auf Bäumen und Marketing löst alle Probleme.

Trotzdem „cool“ + Tipp

Nichtdestotrotz halte ich das Geschäftsmodell als solches, bis auf den Punkt der aus meiner Sicht fehlenden USP, für sehr geil. Als typischer „keine Ahnung, was wir machen können“-Kollege, der sich mittlerweile schon von Groupon hat inspierieren lassen, schreite ich mit diesem Business-Model einer abwechslungsreicheren Freizeitzukunft entgegen. Welches Unternehmen auch immer es letztlich erfolgreich umsetzen wird.

Vielleicht gibt es in Zukunf auch ein smartes Groupon-Plugin. Einfach einmal darüber nachdenken.

euer Sascha 🙂

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Eine Antwort zu “Von „cool“ bis „was zum…“?

  1. Jens 21/08/2011 um 19:45

    Hey,

    ich habe sowohl den Beitrag auf Gründerszene (das Interview) als auch deinen gelesen. Erstmal stimme ich dir zu, dass es wohl keine echten USPs gibt, würde dies aber auch gleich beinahe allen Internet-Startups zuschreiben. Es geht wiedermal darum Menschen bereits vorhandene Angebot einfacher zugänglicher zumachen, Bequemlichkeit eben …! Der Mangel an USPs erklärt dann auch die hohe Dichte an Marketingsprofis, die zum Team gehören. Ohne aggressives Marketing ist solch eine Geschäftsidee eben zum Scheitern verurteilt. Anders wäre es ja nicht bei Groupon gewesen!
    Groupon wird als solches Freizeit-Portal wohl eher nicht existieren können, würde es doch sein eigenes Geschäftsmodell mit den kurzfristiges Deals und hohen Rabatten durch den Einsatz durchgängiger Angebote ad absurdum führen 🙂 Aber so ganz schlüssig über den richtigen Weg scheint man sich bei Groupon ja nicht zu sein, wenn man sich mal anschaut wieviele Deals mittlerweile Angeboten werden und für welchen Zeitraum. Ich denke, dass beide Angebote sehr gut nebeneinander existieren können und werde auf jedenfall auchmal das Freizeitangebot testen!
    Derzeit schaue ich eben aus Mangel an Alternativen eher auf Aggregatoren für Groupon & Co. wie http://www.preisgenial.de und suche dort nach Deals für meine Inspiration. Das werde ich wohl auch weiterhin tun, aber wenn es nicht Interessantes im Angebot gibt (und das ist schon manchmal so!) dann schaue ich mir auch gerne ein reguläres Freizeitverzeichnis wie regiondo an. Ich will zwar sparen, aber etwas zu unternehmen ist mir letztlich noch wichtiger 🙂

    PS: Der Name regiondo ist wirklich schrott. Ich kann diese Namen ebenfalls nicht mehr hören.

    Grüße, Jens

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